Der eigene kreative Raum und die Frage: "Bist Du Dir das wert?"

Kreativität ist in uns allen - weil es die schöpferische Lebenskraft ist und die hat unendlich vielfältige Möglichkeiten, sich zu formen. Niemand MUSS sich also unbedingt kreativ ausleben in Gestalt von Bildern, Schreiben, Musik etc.

Es gibt übrigens auch Menschen, die haben diese Sehnsucht nach kreativem Ausdruck einfach nicht. Bei mir hingegen ist sie schon immer vorhanden und möchte nicht unterdrückt werden, sie möchte fließen. Sonst werde ich auf Dauer ...äh...weniger genießbar :-).

 

Ich habe erlebt, dass es an mir selbst liegt, ob ich mir die Rahmenbedingungen erlaube, die meinem kreativen Sehnen Raum geben. Diese Erfahrungsreise brachte mich in Kontakt mit einigen Glaubenssätzen, die mich jahrelang davon abgehalten haben, kreativ zu fließen. Und das zu einem Herzensthema! Vielleicht kommt Dir davon ja etwas bekannt vor?

 

Glaubenssätze, die meine Regenbogenquelle vom Fließen abhielten

Töpfern, Basteln, Trockengestecke, Seidenmalen, Goldschmieden, Fimo-Basteln, Fliesenmosaike gestalten und so weiter! Ich habe schon viele kreative Gestaltungsdinge bisher ausprobiert und mir wurde immer wieder deutlich, dass ich es "am liebsten liebe", mit Farben zu gestalten. Bisher: Mit Acrylfarben. Die Fliesenmosaike haben es mir auch noch angetan, auch hier habe ich einige Stücke für unseren Garten und unser Wohnen kreiert - aber die letzten Jahre bringe ich Fliesenmosaike nicht auch noch in meinem Alltag unter. Und so konzentriere ich mich momentan auf Acrylmalen, Fotografieren und Schreiben!

 

Die Freude am Malen ist ganz tief in mir - und ich bin ganz sicher, dass darin auch ein spezieller Ausdruck meiner Seele einfließt. Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gerne gemalt. Heute bin ich überzeugt, dass mein Bewusstsein, damit meine ich das unendliche Sein meiner Seele, sich in meine innere Regenbogenquelle füllt. Und meine innere Regenbogenquelle ist das für mich erfahrbare Reservoir kreativer Schätze und Fähigkeiten. Wenn ich ein Bild male fließen sie aus meiner Regenbogenquelle in das Bild hinein. Und was ich dann mit dem Bild empfinde, z.B. Freude und Schönheit, fließen meine Erfahrungen wieder zurück in meine Regenbogenquelle und von dort kann meine Seele sie wiederum aufnehmen und die Essenz der Erfahrungen destillieren. 

 

(Ok, das tut sie natürlich sowieso mit jeglicher unserer Erfahrungen im irdischen, materiellen Leben. Ich umschreibe es heute nur mal beispielhaft anhand meines Malens ;-))

 

Ich wusste und fühlte also schon lange, dass der Ausdruck mit Farben für mich "spezieller" ist - und trotzdem gab es ganz oft auch Phasen, ach, Jahre(!), wo ich überhaupt nicht mehr gemalt habe.  Wo Wochen und Monate vergingen, in denen ich in erster Linie Pflichten erledigte, oder müde rum hing oder mit allen möglichen Alltagsablenkungen beschäftigt war. 

 

In mir waren ganz stark Glaubenssätze, wie: 

 

"Ich muss erst entspannt sein, um schön malen zu können!" 

"Ich muss erst erholt sein, um das Malen genießen zu können!" 

"Ich habe keinen Platz, um zu malen!"

"Ich habe keine Zeit, um zu malen!"

"Wenn ich nicht den ganzen Vormittag Zeit habe, brauche ich gar nicht erst anzufangen".

"Wenn ich kreative Ideen habe, sitze ich gerade wo fest (Arbeit, Termine etc.) - und wenn ich dann Zeit dafür habe, sind die kreativen Ideen weg".

 

All diese Gedanken bremsten mich schon von vorneherein ab und hielten meine Regenbogenquelle zudem vom Fließen ab. (Oh, und auch heute versuchen sie es hin und wieder noch mal ;-)).

 

"Bist Du Dir das wert?"

Viele Jahre habe ich auf unserem Esstisch gemalt. Ich musste also immer erst den Tisch abräumen, die Malutensilien herausräumen, den Tisch mit Tischdecke schützen und …man glaubt es kaum, auch, wenn Malen eine Leidenschaft von mir ist: Manchmal habe ich deswegen nicht begonnen, weil ich "im Pflichtenalltag" vielleicht nur mal 1 Std. Raum zum Malen hatte und mir all das Aufbauen und Abbauen dann zu umständlich erschien.

Erst Anfang 2010 wurde mir bewusst, wie sehr ich mir ein eigenes Zimmer im Haus wünsche. Ein Zimmer, in dem ich mehr Platz hätte und auch mal angefangene Bilder liegen lassen kann! Das fühlte sich so wunderbar an, diese Möglichkeit! Das Zimmer war schon immer im Dach vorhanden, und früher hatte ich darin manchmal gebastelt aber es war im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt, weil die Dämmung des Fensters schlecht war.  Also hatten wir es für alles mögliche genützt und es war Anfang 2010 noch mit Hobbyinventar meines Mannes belegt. (Er hat mir gut gezeigt, wie man sich Raum nimmt :-)).

 

Als mir also klar wurde, dass ich so gerne ein eigenes Zimmer haben möchte, zeigte sich erst mal, dass es mit Aufwand verbunden sein würde: Das Dachfenster musste komplett erneuert werden und die Wände neu bearbeitet und verspachtelt. Einige Zeit schreckte ich vor diesem Aufwand wieder zurück! Aber etwas in mir zog mich sanft, aber deutlich weiter und mir wurde klar: Es ist meine Entscheidung, ob ich mir selbst das wert bin!!! "Bist Du Dir das wert?" - puh, diese Frage wirbelte ganz schön was auf in mir.

 

Das klingt in der Kosmetikwerbung immer so lapidar und gewohnt: "Weil Sie es sich wert sind". Aber hier ging es um was Tiefes und Wesentliches. Bis dahin hätte ich nicht gedacht, dass so eine kleine Sache, wie ein eigenes Zimmer, so schwerwiegend sich anfühlen würde! Bisher habe ich mir ja auch schon vieles gegönnt, wie schöne Reisen, oder Klamotten. Doch hier ging es um eine echte Herzensangelegenheit und das Malen schien irgendwie mit ziemlich altem Ballast belegt zu sein...!

 

Ist es nicht erstaunlich: Ich habe 15 Jahre in diesem Haus gewohnt, bevor ich mir wert war, diesen Raum für mich in aller Deutlichkeit anzumelden und es zog sich über ein paar Monate hin, bis er fertig war. Ich habe auch viel selbst Hand angelegt -  aber ich bin heute so unendlich froh, diesen eigenen Raum für mich zu haben! 

 

Diese Rahmenbedingung - dass ich mir wert war, ein Zimmer im Haus für mich allein zu beanspruchen- war so sehr wichtig: Ich habe jetzt ein paar Quadratmeter, die ich für meine Bedürfnisse eingerichtet habe. Alle Tische und Aufbewahrungs-Container sind auf Rollen, damit ich  schnell Platz schaffen kann. Es gibt einige Bilderleisten an der Wand, wo ich meine Bilder parken kann. Mein Schreibtisch mit Computer für das Schreiben und Fotografien gestalten hat mittlerweile ebenso seinen Platz gefunden, wie auch eine Liege, auf der ich "Liebevolle Pausen" praktizieren kann. Und endlich kann ich auch mal was herum liegen lassen und parallel an zwei oder drei Bildern arbeiten! 

Treffen wir die Entscheidung aus unserer Mitte und unserem Herzen?

Etwas in mir sehnt sich übrigens schon immer nach einer totalen Freiheit, in der ich nur meinen kreativen Impulsen folgen kann. In meinem Tempo, in meinem Rhythmus. Und etwas anderes in mir sah, dass es momentan auf diese Weise nicht realisiert werden kann (ich sage heute bewusst "momentan noch nicht" :-)!) und klappte sofort die Flügel ein und machte die Schotten dicht. Das führte in der Vergangenheit oft dazu, dass ich gar nicht erst begann, kreative schöne Dinge zu tun. Vielleicht kommt Dir das ja auch bekannt vor?

Ich glaube, es ist ganz normal und menschlich, dass unsere inneren Anteile manchmal recht konträre Meinungen vertreten :-).

Die Frage ist, lasse ich ihnen die Entscheidung oder treffe ich die Entscheidung aus meiner Mitte und mit meinem Herzen?

Ich kann das Ventil selbst aufdrehen

Ich bin mir und meinen Anteilen zu den oben erwähnten Glaubenssätzen im Lauf der Zeit "auf die Schliche" gekommen. Es gab ein paarmal Erfahrungen dieser Art:

 

Da hatte ich mir z.B. endlich zwei Stunden im Alltag reserviert, um zu malen (tagelang vorher innerlich : "Juhuuuu!") und dann saß ich in der Sunde X da und fühlte weder Lust, zu malen, noch hatte ich eine Idee.  Das kam öfter vor! Bis ich dann endlich beschloss, einfach mal anzufangen.

 

Als ich die erste Farbe auf das Bild fließen ließ und verteilte - kam plötzlich sachte Freude auf! Sie wurde immer mehr und ich malte dann freudig und schwingend weiter und nach 1,5 Std. war ich sehr zufrieden und ruhte in mir und freute mich über das Bild, das vor mir lag! Und die 1,5 Std. waren vollkommen ausreichend an dem Tag! Es war ein bisschen wie "Der Appetit kommt beim Essen" - es war genau umgekehrt: Ich konnte das Ventil sachte selbst aufdrehen! Der Glaube, ich bräuchte erst die passende Stimmung dafür - war genau das: Ein vorgefertigter Glaube.

 

Anteile und Erwartungen dürfen sich jedes mal mehr lösen

Da kapierte ich langsam, dass es bremsende Anteile in mir gab und vielleicht auch Anteile, die so frustriert waren, dass wir so lange nicht mehr gemalt haben, dass sie sich zurückgezogen haben. Und die Anteile, die das Malen für Zeitverschwendung halten, (vielleicht durch Stimmen aus früheren Zeiten/Leben, weil es ja brotlose Kunst etc. ist) - hatten in dieser Phase das Sagen übernommen. Ich hatte ihnen das Ruder überlassen, indem ich mich von den bremsenden Glaubenssätzen und Emotionen habe beeinflussen lassen. So interpretiere ich es jedenfalls.

 

Die Erwartung "ich möchte den ganzen Tag dafür haben" bremste mich dazu genauso aus, wie die Erwartung "ich möchte jetzt sofort Ideen haben". 

 

 

Die 1,5 Std. waren so intensiv und bereichernd - sie fühlten sich tatsächlich viel länger an! Es kommt also nicht so sehr darauf an, ob ich nun den ganzen Tag frei dafür habe, sondern dass ich überhaupt male! Und jedesmal drehe ich das Ventil ein bisschen weiter auf. Irgendwann ist es auch nicht mehr rostig und es kann leichter und sofort fließen. Mal fließt mehr heraus, mal weniger - aber ich fange es ja auf, was herausfließt. Auf meiner Leinwand. Und die füllt sich dann zusehends. Schritt für Schritt. Pinselstrich für Pinselstrich.

 

Die Anteile und Erwartungen dürfen sich dabei jedesmal ein Stück mehr lösen.

Ideen skizzieren und notieren - so bleiben sie lebendig

Wenn heute Ideen auftauchen und ich kann gerade nicht losflitzen und sofort malen - skizziere oder notiere ich sie. Auf Zettel, im Smartphone, als Zeichnung oder als Aufnahme - so bleiben sie lebendig. Das weiß doch jeder, denkst Du vielleicht? Ja, ich kann es auch nicht verstehen heute. Ich habe es jedenfalls jahrelang nicht gemacht!!! War nur frustriert, wenn die Ideen ein paar Stunden oder Tage später wieder im Alltagstrott versunken waren. Ich hatte richtig dicke Scheuklappen zu diesem Thema auf. Zu einem Herzensthema!

Das gemütliche Feuer an meiner Regenbogenquelle schüren

Diese Sehnsucht, dass ich den ganzen Tag die Freiheit habe, meinen kreativen Ideen zu folgen, sie fließen zu lassen, zu experimentieren - die ist schon immer in mir. Wie ein kleines glimmendes Fünkchen. Und langsam erkenne ich, dass nur ich selbst dieses kleine Feuer am Brennen halten kann. Sicher, es ist bisher nie wirklich aus gegangen, war manchmal nur noch ein kleiner glimmender Funke, ein schwelendes Stückchen - aber damit es wächst und größer wird und wärmend und stärkend bleibt - da braucht es auch eine klare Ausrichtung und beständiges "kreatives Holz nachlegen" von mir selbst. 

 

Die Entscheidung, dass ich das, was sich da entwickeln mag, pflegen und schüren möchte, habe ich endlich getroffen, vor etwa 1,5 Jahren, als ich beschlossen habe, diese neue Website ins Leben zu bringen. Ich hatte schon vorher eine Website, aber jetzt ist mehr Verbindlichkeit dahinter. Das letzte Jahr habe ich zwar deswegen wenig gemalt, aber dafür viel kreative Energie in diese Website fließen lassen, damit meine Bilder in der Welt eine Plattform bekommen, um sichtbar werden zu können.

 

Die letzten Wochen ist mir klar geworden, dass ich künftig wieder mehr Raum für das Malen haben möchte. Ich werde daher ab März statt wie bisher zwei monatliche Blogbeiträge einen Artikel monatlich schreiben. Die E-Mail-Liste "Sanfte Impulse für Dich" werde ich weiterhin zweimal monatlich versenden - einmal als Erinnerung zum Blog, einmal mit individuellem Impuls.

 

Und dann bin ich schon neugierig, welche Funken noch überspringen und wie sich das Feuerchen weiterentwickeln wird. Im Moment genieße ich es, wenn ich an meiner inneren Regenbogenquelle sitzen kann, das kleine Lagerfeuer neben mir :-) und sie durch mich fließen lassen kann.

 

Wo bewegt sich Deine Regenbogenquelle in Dir? Was möchte sie Dich erfahren lassen? Und welches Feuer möchtest Du liebevoll schüren?

 

Herzlich,

 

Elke Ulrike