Sag niemals nie - ist das wahr?

"Sag niemals nie" - kennst Du diesen Spruch? Ich weiß gar nicht, wo er herkommt. Ein Liedtext, vielleicht? Ich erinnere mich nur, dass ich das in meiner Kindheit öfter gehört habe.

 

Natürlich habe ich keine Angst, das Wörtchen "nie" auszusprechen, darum geht es in diesem Blogbeitrag auch nicht.

 

Allerdings bin ich heute sehr viel aufmerksamer geworden, in welchem Zusammenhang ich es verwende.

Und - auch ganz wichtig:  Ob ich das "nie", das mir von anderen entgegen gebracht wird, in meiner Lebenssituation akzeptiere!

 

Mit einem verletzten Finger habe ich nämlich rund um die Aussage "nie" eine Erfahrung gemacht, die mir heute noch hilft, hierzu aufmerksam zu bleiben.

 

 

 

"Gerade wird er nie wieder"

Vor vielen Jahren hatte ich eine Zeit lang eine spezielle Art von Kompressionsstrumpfhosen getragen. Ziemlich kräftiges Material, nicht einfach anzuziehen.

 

Ich weiß noch, dass ich am betreffenden Tag auch irgendwie genervt oder angespannt war, als ich sie anzog. Es eilte wohl. Jedenfalls zog ich sie zu heftig hoch - und es machte "zack" - und bei meinem kleinen Finger hing das oberste Element schräg nach unten. Es tat nicht weh- aber trotzdem schwoll der Finger an und ich war sehr bestürzt darüber. Mein armer kleiner Finger!

 

Ich machte also einen Termin bei einem Orthopäden in der Nähe. Dieser untersuchte den Finger, sagte mir, die Sehne sei gerissen und empfahl mir, eine kleine Kunststoff-Schiene zu kaufen und den Finger mindestens 2 Wochen ununterbrochen in der Schiene zu tragen. 

 

Er sagte außerdem zu mir und ich zitiere wörtlich : "Ganz gerade wird der eh nie wieder!"

 

Welches fein abgestimmte Wunder unser ganzer Körper doch ist!

Auch, wenn es "nur der kleine Finger" war - ich war ziemlich geschockt. Die folgenden Wochen erlebte ich dann, wie wichtig so ein kleiner Finger im Alltag ist! Wie selbstverständlich ich seine Unterstützung im Alltag voraussetzte -und wie stark er fehlt, wenn er verletzt ist! Ich war voller Dankbarkeit und Respekt für meinen kleinen Finger. Und für meinen Körper, der so fein aufeinander abgestimmt ist - mit jedem einzelnen Bestandteil.

 

Die Schiene trug ich mal lieber 3 Wochen, statt nur zwei. Als diese dann rum waren und ich sie abnahm, war der kleine Finger geschwollen und sah tatsächlich krumm aus. Nun gut, dass er krumm bleiben könnte, erschreckte mich nun nicht, ich hatte ja gerade keinen Vertrag als Hände-Foto-Modell abgeschlossen und außerdem war es so, wie es eben war. Trotzdem- ich umschloss den kleinen Finger dann immer wieder mit meiner Hand und ließ einfach die Energie fließen. Das tat ich, weil es mir gut tat, weil ich das Gefühl hatte, auf diese Weise für mich zu sorgen.

 

Der Finger war bestimmt ein halbes Jahr krumm und geschwollen. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich aufgrund eines Tipps eines Physiotherapeuten auch noch einen weichen Ball zum Kneten zwischendurch benutzt habe. Er schmerzte und pulsierte zwischendurch auch, der Finger.

Das "Nie" hatte sich in ein "Neu" verwandelt

Irgendwann bildete sich die Schwellung jedoch völlig zurück und ich konnte sogar mit der Zeit das Gelenk immer weiter nach unten biegen.

 

Ergebnis: Mein kleiner Finger war eines Tages wieder "wie neu" ! Komplett beweglich! Und: Gerade! So gerade, wie ein kleiner Finger eben sein kann, wenn er sich strecken darf!

 

Der Arzt hatte also zu mir gesagt: "Ganz gerade wird der nie wieder".

 

Ich habe darauf verzichtet, zu ihm zu gehen und ihm das vorzuführen - ich bin einfach nicht mehr hingegangen.

Oh, pardon, genauer gesagt, ich bin nie mehr zu ihm hingegangen :-). Ja, das Wörtchen nie gefällt mir in dem Zusammenhang tatsächlich sehr gut!

 

Verstehst Du nun, weshalb ich ein "nie" von anderen nicht mehr völlig unbedarft in mein Leben lasse? 

 

Und falls Dir mein "nie" nun zu hart erscheint ("jeder kann doch mal einen Fehler machen"): Da ist natürlich auch was dran.

Dieser Arzt hatte mir jedoch einige Monate zuvor erklärt, weshalb er für Kassenpatienten nur im Schnitt 2 Minuten Zeit hätte und mich insgesamt wirklich sehr arrogant behandelt. Ich war damals unfähig, angemessen zu reagieren, so geschockt war ich und danach auch ziemlich fertig deswegen. Trotzdem ging ich mit dem Finger wieder hin, weil ich "in der Eile" keinen anderen Arzt im Umkreis wusste. 

 

Allerdings habe ich auch begriffen: Dieser Arzt hat mir letztlich geholfen, mir selbst mehr zu vertrauen!  Wow, das kann ich heute so sehen, merke ich gerade! Eine wertvolle Erfahrung, an der ich gewachsen bin. Ich sorge so gut wie möglich für mich, ich suche mir einen Arzt sorgfältiger aus - und ich halte mich offen für "alle Möglichkeiten". Letzteres brauchte bei mir durchaus längeres Praktizieren und noch heute ist es für mich wichtig, (gerade in Stress-Situationen), meinen Kontakt zu meiner inneren Quelle zu halten und liebevoll zu pflegen.

Alle Möglichkeiten sind in unserer Quelle vorhanden

Menschen, die ihre Meinung mit "nie" bekräftigen, treffe ich überall. Und wenn jemand das für sich so lebt und sieht, ist es auch völlig angemessen - für sein Leben. Sie haben dann eben eine bestimmte Wahl für sich getroffen.

 

Nun kann mir also im Alltag ein Mensch mit so einem überzeugten "nie" begegnen.

Wenn mir jemand von sich erzählt, er tue dies oder jenes nie, ist es natürlich dessen eigene Angelegenheit.

Sagt mir aber jemand über meine persönliche Lebenssituation, ich persönlich könne dies oder jenes nie oder ich bräuchte jenes nie oder das würde nie etwas werden, was ich da vorhabe und ich merke, dass es mich nicht völlig unbewegt lässt, ist es Zeit für (m)eine

Liebevolle Pause. Ich nehme mir Raum für mich, atme weich und lasse das erst mal wirken.

 

Ängstliche Anteile und unangenehme Gefühle können sich dann zeigen. Und sie dürfen da sein. Ich atme weich weiter und erlaube mir, in meine Mitte zu sinken. In meine stille, sichere Mitte. Ach ja, und da bemerke ich dann auch, dass es sogar in mir selbst Stimmen gibt, die mir sagen, dass etwas "nie" geschehen wird oder "nie" passiert, geschweige denn möglich ist! Das sind oft die intensivsten Kandidaten, die uns am meisten piesacken können!

 

In der Stille, in der Tiefe mit meiner Seele - kommt auch wieder die Er-Innerung, dass alles möglich ist. Und dass, auch wenn etwas nach "nie" zunächst aussieht, ich die reine Möglichkeit, dass es auch anders verlaufen könnte, deshalb nicht ausschließen möchte. Es kann ein "nie" werden, ja,  es kann aber auch ein "ganz anders" oder ein "immer wieder" sein. Es ist noch alles offen. 

 

Ich bitte dann meine Seele um Unterstützung und wähle: Vertrauen. Vertrauen, dass es sich so entwickelt, wie es zu meinem Besten ist. Vertrauen, dass ich wieder meinem Herzen folgen kann. 

 

Alle Möglichkeiten sind in unserer Quelle vorhanden. Alle. 

  

Ich denke da gerne an das Meer. Dort, wo ich gerade schnorchele und schwimme, sehe ich vielleicht nur eine bestimmte Sorte Fische schwimmen - aber im unendlichen, großen Meer gibt es noch so viele Lebewesen und Fische, die ich gar nicht kenne, die aber alle vorhanden sind. Wenn ich "nie" denke und es zutiefst glaube, verleugne ich diese ganzen anderen Lebewesen. Wenn ich "Ja" oder "sowohl als auch" sage, "alles ist möglich" - öffne ich mich dafür, dass ich sie nach und nach kennen lernen kann. Und dann können sich Mittel und Wege auftun. Wenn es stimmig ist.

 

Das Lebens-Meer der Möglichkeiten enthält alles. Ich möchte es jedenfalls nicht mehr einschränken, indem ich einem  "nie" sofort und

sozusagen blindlings folge.

 

In meiner Mitte bitte ich dann meine Seele um Unterstützung und die Klarheit für einen eventuellen nächsten Schritt. 

 

Ich übe weiter: Meinem Herzen zu folgen. Ich übe weiter: Vertrauen.

 

Und gehe weiter:.... durch mein Leben.

 

 

Herzlich,

 

Elke Ulrike

PS:

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