Über Schokolade, Aufregung und Lebenspakete

Wir sitzen alle im Kreis.Ich würfle gespannt. Es sind nicht die passenden Augen. Eine Welle der Enttäuschung durchflutet mich kurz. Die Würfel werden mir wieder abgenommen.

 

Mein Herz klopft, während ich zusehe, wie die anderen reihum würfeln.

Mein Körper vibriert schon ein bisschen vor Spannung.

Keiner der anderen hat zwei Sechser, die Würfel landen wieder bei mir.

Sofort habe ich wieder das Gefühl, dass alles möglich ist.

 

Ich schüttle die Würfel in meinen Händen, blase magischen Glitzerstaub auf sie und werfe. Sie kreiseln und zittern und ….ah, juhuu! Zwölf Punkte lachen mich von den Würfeln an!

 

Eilig setze ich die Mütze auf, wickle schnell den Schal um den Hals und während ich dicke Handschuhe anziehe, klopft mein Herz spürbar schneller. Mit Messer und Gabel beginne ich, die erste Schnur zu durchtrennen. 

 

Mein Herz pocht jetzt noch lauter und ich beginne zu schwitzen, weil es Sommer und warm draußen ist.

 

Ich habe die erste Schnur durchschnitten! Doch jetzt beginnen die anderen um mich herum zu schreien!

 

Das Spiel: Erinnerst Du Dich auch wieder?

Ich muss sofort aufhören, Messer und Gabel weglegen, die Handschuhe abnehmen und die Mütze wird mir schon vom Kopf gerissen.

Die Würfel wandern derweil weiter, reihum.

Ich sehe zu, wie jemand anderes Mütze und Handschuhe anzieht und - alles kreischt!

Die Mütze und die Handschuhe werden wieder ausgezogen und schon der nächste in der Runde zieht sie so schnell wie möglich an.

Die Würfel wandern währenddessen schon wieder weiter.

 

Wir zittern und lachen und kreischen abwechselnd.

 

Die Spannung steigt, wir sind aufgeregt und - ja, wir genießen es so sehr!

 

Kennst Du dieses Spiel? Erinnerst Du Dich auch wieder?

Aufregend und lustig und auch herrlich wild!

Wir haben es an Kindergeburtstagen gespielt. Eine Tafel Schokolade war in dicke Schichten Zeitungspapier gewickelt. Zwischen den Schichten war immer mal wieder mit einer Schnur oder Wolle eine Verschnürung geknotet- wie man eben ein Päckchen packt. Ein Päckchen im Päckchen im Päckchen!

 

Unsere Spielregeln: Wir saßen alle im Kreis auf dem Boden. Wer zwei Sechser gewürfelt hatte, durfte sich Mütze, Schal, Handschuhe (ohne Finger, es waren Fäustlinge) anziehen und sich mit Messer und Gabel daran machen, das Päckchen zu öffnen. Es durfte nicht mit der Hand angefasst werden.

 

In der Zwischenzeit würfelten die anderen reihum - nun beeilten sich natürlich alle - und sobald einem anderen die zwei Sechser vor die Beine kullerten, wurde gekreischt und die Mütze und alles andere eingefordert. 

 

Wenn einem der Nachbar die Mütze hektisch vom Kopf zog, konnte es schon vorkommen, dass schmerzhaft Haare mit ausgerissen wurden, so aufgeregt waren wir alle. 

 

Ich erinnerte mich kürzlich wieder an dieses Spiel und daran, dass ich es wirklich gerne gespielt habe.

 

Noch heute kann ich das Echo der Aufregung und Spannung fühlen, wann ich wieder an der Reihe wäre und wie ich versuchte, ganz schnell an die Schokolade zu kommen. Und das begeisterte, triumphale Gefühl, wenn dann die Schokolade vor mir lag und es gelang, ein Stückchen davon zu essen, bevor die Würfel wieder die neue Verteilung einleiteten!  Das Spiel war zu Ende, wenn die Schokolade aufgegessen war.

 

Und natürlich war es in dem Moment die beste Schokolade der Welt!

 

Es war aufregend und spannend und lustig und auch herrlich wild!

 

Mein Basispaket habe ich auf Seelenebene selbst eingepackt

Als ich also kürzlich über dieses herrliche Spiel nachdachte, kam mir in den Sinn, dass es eigentlich mit meinem

Leben irgendwie ähnlich ist:

 

Bevor ich in dieses Leben eingereist bin, habe ich im Einklang mit meiner Seele ein riesiges, verschachteltes und verpacktes und verschnürtes Lebenspaket gepackt. Wir haben entschieden, was meine Leidenschaft in diesem Leben sein soll, was ich in diesem Leben realisieren möchte und in welchen Erfahrungs- und Erlebnisbereichen ich unterwegs sein wollte. 

 

Belassen wir es im Moment einfach mal bei der Kurzversion: Mein Basispaket habe ich also auf Seelenebene selbst zusammengestellt und eingepackt. Alle vielfältigen Wahlmöglichkeiten sind bei jeder Reise sowieso inclusive. Es bleibt mir überlassen, ob ich sie dann ausübe oder nicht. Und dann bin ich begeistert in dieses Erdenleben gesprungen - und habe irgendwann völlig vergessen, dass ich das Paket selbst zusammengepackt habe. Das war wiederum war kein Versehen, sondern Teil des Experiments. 

 

Ich dachte also über das Spiel meiner Kindheit nach, legte sozusagen eine Erlebnis-Schablone über das Bild meines Lebensalltags

und fragte mich selbst:

 

Wann hatte ich eigentlich aufgehört, das Spiel meine Lebens jeden Tag spannend und aufregend zu finden?

Wann hatte ich begonnen, jede Runde, in der ich auspacken konnte, so fürchterlich ernst zu nehmen?

Weshalb hörte ich nicht früher auf, zu kämpfen und zu rackern - und das meist noch mit zusammengebissenen Zähnen?

 

(Schokolade essen geht ja mit zusammengebissenen Kiefern auch eher schlecht, nebenbei bemerkt :-) )

 

Wenn ich das Spiel meiner Kindheit ansehe, gibt es ganz natürlich auch da eine Phase, in der "gekämpft" wird. Es ist ja ein Wett-Kampf und sicher haben wir auch mal die Zähne zusammengebissen, wenn die Schnur aufzuschneiden war (zumal uns damals mit Sicherheit nur relativ stumpfe Messer für dieses Spiel gereicht worden waren).

 

In diesem Leben zu Kämpfen gehörte in manchen Situation einfach auch dazu. Heute erkenne ich jedoch Momente, wo ich kämpfe, obwohl es gar nichts mehr zu kämpfen gibt. 

 

Mein ganz eigenes Lebenspaket - und es öffnet sich von selbst

Mittlerweile habe ich immerhin schon mal begriffen und verinnerlicht, dass es also mein eigenes Päckchen ist. Es gibt niemanden, der Würfel würfelt und mir mein Lebenspaket entreißen möchte. Also eilt auch nichts und es existiert keine Konkurrenz. Und trotzdem gibt es eben diese Phasen, wo ich gerade nicht dran bin. In diesen Abschnitten ist meine Seelen-Führung dran. Das kann ich von meiner Bodenstation aus nur nicht gleich erkennen. Also glaube ich, ich müsste etwas "tun". Und "tun" kann ja schon auch viel Spaß bringen. Es kann wild und spannend und aufregend sein...

 

Ich kann also weiterhin gerne so tun, als würden andere mit mir würfeln und mich beeilen, wenn ich mal wieder Spannung genießen möchte. Ich kann die Schichten auch hektisch und mit viel  Drama aufreißen. Wie ich die Schichten öffne, bleibt völlig mir überlassen. Ich darf in jedem Moment neu wählen.

 

Mit Hektik und Kämpfen und Drama - das hab ich viele Jahre ausgiebig in meinem bisherigen Leben so ausprobiert. Es hat auch lange gedauert, bis ich "mein Paket" wirklich in Besitz genommen habe. Und natürlich bin ich noch immer mittendrin im Auswickeln :-). 

 

Neuerdings genieße ich es allerdings sehr, dass ich es auf neue Weise Schicht um Schicht, Schnur um Schnur in meinem ganz eigenen Tempo öffnen darf. Dass ich übe und erlaube, die Phasen, in denen ich "nicht dran bin" - anzunehmen. Ich darf natürlich weiter an bestimmten Stellen und zu bestimmten Situationen daran zupfen und es öffnen - und dann gibt es eben auch wieder diese Phasen, wo ich nicht dran bin. Wo ich alles meiner göttlichen Führung überlassen darf. Da gibt es noch Lebensbereiche in mir, wo mein Verstand daran zu knabbern hat, aber gaaaaanz langsam entspannt er sich dann - oder ich lasse ihn einfach reden und die Gedanken vorbeifließen. (Du weißt schon, so, wie Blätter in einem Bach vorbeifließen - ich sehe ihnen zu, ich folgen ihnen nicht). 

 

Und dann ist es spannend, was danach entsteht, was sich entfaltet, denn:

 

Genaugenommen habe ich sogar endlich kapiert, dass es ein "sich selbst öffnendes Paket" ist! Mein Lebenspaket öffnet sich von ganz alleine! Und zwar immer an der genau passenden Stelle! Ohne, dass ich überhaupt daran ziehen müsste! 

 

Ich kann mich also auch zurücklehnen, und brauche nur zu erlauben, dass es sich entfaltet - vielleicht sogar mit etwas Glitzern und Funkeln (oh ja, das gefällt mir)! Die nächste, diesmal regenbogenfarbige Schicht wird sanft abgelöst und schwingt und tanzt noch einige Zeit um mich herum, bevor es  wie ein farbiges, lautloses Feuerwerk in meinen Lebensalltag hineinfließt.

 

Und kommt dann doch wieder eine kratzige, graubraunen Schicht, an der ich mich vielleicht zunächst sogar schneide, weil ich doch zu schnell dran gezogen habe, dann weine ich eine Zeit lang, sehe zu, wie alles heilt - und erlaube weiter, dass sich mein Paket öffnet. 

 

Denn dazu bin ich ja in dieses Leben eingetaucht: Ich möchte dieses Paket auf jeden Fall Hand in Hand mit meiner Seele komplett auspacken. Das ist eine stille, aber starke Leidenschaft, die ich ganz tief in mir fühle. Und sie möchte mich führen: Hin zu einer einzigartigen Schokolade, die im Herzen meines Lebenspaketes eingewickelt ist.

 

Das Erlauben auf sanfte Weise wieder in den Alltag einladen

Das Erlauben fiel mir viele Jahre sehr, sehr schwer. Erlauben sind wir alle ja nicht wirklich gewöhnt, oder? In unserer Welt überwiegt meist das "Müssen und Sollen". Müssen und Sollen ist in unserem Lebensalltag viel lauter geworden, als das "Erlauben" im Leben. Ich übe es jedenfalls täglich in vielen kleinen und großen Momenten wieder. 

 

Magst auch Du in Deinem Alltag das "Erlauben" öfter auf sanfte Weise einladen und praktizieren? Die "Liebevolle Pause"-Karten, die ich mit eigenen Fotografien und eigener Handschrift gestaltet habe,  bieten auf spielerische und leichte Weise vielfältige Möglichkeiten an und begleiten Dich wie ein stiller, guter Freund. 

 

Ich wünsche Dir erlaubnisvolle Tage!

 

Herzlich,

 

Elke Ulrike

 

 

PS:

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