"Ich habe keine Zeit für eine Pause" - Lass' uns diesen Gedanken zum Wackeln bringen!

"Ich habe keine Zeit für eine Pause!"

 

Kennst Du diesen inneren Ausruf auch? Je mehr in unserem Alltag an Aufgaben und Tätigkeiten zusammenkommt, desto weniger Zeit scheint für eine Pause übrig zu bleiben. Wir arbeiten immer schneller und versuchen, immer mehr reinzupacken und dann kommt dieser Gedanke daher und engt uns zusätzlich ein: "Ich habe keine Zeit für eine Pause, weil ich muss noch…und ich muss noch…..".

 

Wir alle brauchen und wollen Zeiten, in denen wir Ausruhen und Auftanken können. Und jeder Mensch kann natürlich etwas völlig anderes darunter verstehen. 

 

"Ich habe keine Zeit für….eine Pause" - diesen Gedanken, der einem das Gefühl gibt, total eingeengt zu sein,  brauchen wir nicht sofort für bare Münze zu nehmen. Es lohnt sich meiner Erfahrung nach, inne zu halten, und ein wenig nachzuforschen. Die Dinge sind nämlich nicht immer, was sie zu sein scheinen…..

 

Ich habe irgendwann begonnen, das genauer bei mir anzusehen und Schritt für Schritt mehr Verantwortung für mich mit meinem individuellen Pause-Bedürfnis zu übernehmen.

 

Wie wäre es: Lass uns den Gedanken "Ich habe keine Zeit für eine Pause" gemeinsam ins Wackeln bringen! 

Ist das wirklich wahr?

"Ich habe keine Zeit für eine Pause" habe ich früher sehr oft sehr regelmäßig gedacht und dabei meine Grenzen und Bedürfnisse regelmäßig missachtet.  Mittlerweile bin ich sehr viel achtsamer mir selbst gegenüber geworden.

 

Oh ja, und immer mal wieder "erwischt" er mich auch noch, der Gedanke, der wohl auch massenhaft Menschen leitet. Ich fühle dann, wie ein "Pensum" in mir ansteigt, das ich abarbeiten soll oder möchte und irgendwann gibt es diesen Punkt, wo etwas in mir wiederholt "Ich habe keine Zeit für mich, ich habe keine Zeit für eine Pause!".

 

Immerhin: Ich bin ja froh, dass ich den Gedanken heute wahrnehmen kann, wenn er auftaucht! Früher habe ich mich dann komplett davonzerren lassen, und es mündete immer wieder in Anstrengung und Kämpfen. 

 

Heute halte ich bei den ersten deutlicheren Anzeichen erst mal einen Moment inne, atme ein paar Mal tief in den Bauch, lasse den Atem dann weicher werden und erinnere mich gerne an das japanische Sprichwort:

 

"Wenn Du es eilig hast, geh langsam. Wenn Du es noch eiliger hast, mach einen Umweg".

 

Und dann frage ich mich liebevoll nochmal: "Ist das wirklich wahr? Ist es wahr, dass ich keine Zeit für eine Pause habe?"

 

Mich selbst liebevoll beobachten

Irgendwann habe ich endlich begonnen, mich im Alltag aufmerksam und so liebevoll wie möglich zu beobachten, was ich denn so tue "zwischendrin" . Welche Dinge und Tätigkeiten das sind - die vielleicht gar nicht so wichtig sind - die zu Gunsten einer Pause losgelassen werden könnten. Wie ich meine Pausen momentan gestalte. Ob und wie ich meine Pausen-Zeit anderen kommuniziere (oder auch nicht). 

 

Der Gedanke begann dann schon ein bisschen zu wackeln...!

Ein paar meiner Beobachtungen zu meinem Verhalten:

  • Da ertappe ich mich doch zum Beispiel oft, wie ich 30 Minuten frei habe und was mache ich? Dann blättere ich in einer Zeitschrift oder sehe im Internet was "ganz dringendes nach" oder räume etwas auf (für das ich dann aber -weil zerstreut und unmotiviert- dreimal so lange wie sonst brauche.) Oder lese in SocialMedia oder E-Mails oder "setze hier bitte selbst ein, was Du so nebenher alles tust oder nur schnell mal nachguckst". Entspannt bin ich dann jedenfalls nicht- es bleibt eher ein unruhiges, unzufriedenes Gefühl und dann sind die 30 Minuten "plötzlich" um und es steht mein Vorhaben/der Termin an.  (Der  Gedanke bleibt danach hängen: "Ständig habe ich was zu tun")
  • Oder ich wollte Pause machen, habe aber meinem Mann nichts davon verraten. Der ruft nach mir, weil er eine Frage hat - mitten in meiner Pause. (Der unterschwellige Gedanke behauptet nun:  "Nie hab ich mal Ruhe und Zeit für mich")
  • Oder ich brauche eine kurze Pause, um was zu essen, um mich zu sortieren, sitze aber in einer Besprechung und niemand macht dort Pause. (Der Gedanke hat sich jetzt neu maskiert: "Bist Du komisch/ein Weichei, guck mal, die anderen brauchen keine Pause, weshalb dann Du?") 

Den inneren Scheinwerfer darauf scheinen lassen.

Ich bin heute sehr viel mehr in der Lage - immer wieder mit dem weichen, liebevollen Atmen und achtsamer Beobachtung- diesen Gedanken, der mich in diesen Momenten plagt, wahrzunehmen. Sozusagen meinen inneren Scheinwerfer darauf scheinen zu lassen.

 

Spot an! Und in dem Moment - kommt der Gedanke jedes mal mehr ins Wackeln - wird sozusagen aus seiner vorher festgemauerten Verankerung gelöst! Frei schwebend kann er sich nicht lange halten. Er ist ja "nur ein Gedanke" …..

 

Aus diesen Beobachtungen habe ich auch Entscheidungen abgeleitet:

 

Schritt für Schritt Verantwortung für mich und mein Pause-Bedürfnis übernehmen

Ich habe gelernt, meine Verantwortung dafür, dass ich Pausen brauche und wie ich Pausen mache, zu übernehmen. Ich übte:

  • Wenn ich rumhänge und im internet surfe oder Zeitschriften lese - dann ist das ok! Aber es ist ganz allein meine Entscheidung, ob ich "rumhänge" oder eine "Liebevolle Pause" mache, die mir vielleicht heute mehr gut getan hätte. Also kein innerliches Lamentieren danach! Wenn es mir dieses Mal offensichtlich nicht gut getan hat: Nächstes Mal eine andere Entscheidung für mich treffen!
  • Wenn ich eine konkrete Pause brauche und ungestört sein möchte, sage ich das meinem Partner klar und deutlich. Nicht nur sagen "Ich bin in meinem Zimmer" - sondern: "Ich möchte in meinem Zimmer eine Meditation machen -bitte störe mich bis xxx Uhr nicht".  (Er hat mir dazu gesagt, dass er damit viel besser umgehen kann, weil er dann weiß, woran er ist.)
  • Wenn mir bekannt ist, dass eine Besprechung im Büro über die Mittagszeit ansteht, sehe ich zu, dass ich schon vorher eine Liebevolle Pause für mich einrichten kann.
  • Wenn es ausnahmsweise nicht möglich ist, wegen einer Besprechung (die z.B. eigentlich kürzer hätte sein sollen) eine Liebevolle Pause zu machen - "akzeptiere ich es innerlich " - und sorge eben so gut wie möglich für mich, indem ich an Ort und Stelle den weichen Atem fließen lasse. 

Und das mit den aufgelisteten Punkten funktioniert jetzt immer alles ganz toll bei mir und alles ist rosarot?

Nein, nicht "immer" :-) -  aber es geht mir viel, viel besser damit, als noch vor Jahren. Und ich gehe sehr viel liebevoller und verantwortungsvoller mit mir und meinen Bedürfnissen um. Es waren und sind wertvolle Erfahrungen für mich - und ich bin einfach achtsamer mir selbst gegenüber geworden. Und übe es immer noch - denn ich habe ja auch einen Brotberuf und einen Alltag!

 

Da fällt mir noch etwas dazu ein:

Welche Qualität hat die Pause?

Ich habe für mich herausgefunden, dass besonders dann, wenn ich nur kurze Pausen machen kann, die Qualität meiner Pause ganz wichtig ist. Für mich ist dann meine "Liebevolle Pause" sinnvoll. Aber das ist ein anderer Blogartikel von mir.

 

Wie geht es Dir jetzt mit dem Gedanken?

Glaubst Du dem Gedanken "Ich habe keine Zeit …. für eine Pause" jetzt immer noch voll und ganz?

Oder beginnt er vielleicht schon ein klein wenig zu zittern und zu schwanken? 

Schön, dann ist er wenigstens schon ein bisschen in seiner Verankerung gelockert und angebohrt.

Damit funktioniert seine "Tarnkappe" schon nicht mehr so gut, und Du kannst vielleicht beginnen, ihn in Deinem Alltag anzuleuchten und zu beobachten...wenn du das wählst.

 

Und mit der Zeit wachsen wir einfach darüber hinaus - wie die Pflanze auf dem Foto....

 

Ich wünsche Dir angenehme, erholsame und liebevolle Pausen.

 

Herzlich,

Elke Ulrike