Kurze Formel: Folge ich der Angst oder der Liebe in mir?

Hast Du das auch schon erlebt? Es steht etwas an, das Du erledigen sollst, was keinerlei Nachteile oder Auswirkungen haben kann - aber alles in Dir steht auf der Bremse und möchte am liebsten keinen Schritt weiter gehen?

 

Du weißt genau, dass nichts passieren kann. Es ist Dir klar, dass der emotionale Aufruhr in keinem Verhältnis zur Situation steht, aber die Knie wackeln trotzdem.

 

Ich habe vor einiger Zeit anhand einer sehr banalen Alltagssituation so etwas erlebt. An dem Tag konnte ich jedoch das innere Geschehen besser als sonst "beobachten", die Möglichkeiten betrachten und eine klare Entscheidung treffen. Letztlich hat mich dieses Erlebnis für künftige Erlebnisse, bei denen ich erst mal wieder Kniezittern habe, gestärkt. Nur, dass ich das erst danach kapierte :-). Und dazu war mein Seelen-Herz wie ein warmer Sonnenstrahl auch wieder spürbar. Es tut so gut, durch solche Momente zu wissen: In meiner Mitte scheint die Sonne meiner Seele. Immer. 

So viel Aufregung wegen dieser Kleinigkeit?

Es gibt einen Anteil in mir, der in manchen Momenten, wo etwas auch nur annähernd unangenehm werden könnte, mir sofort rät, umzudrehen, daran vorbei zu gehen oder es einfach gar nicht zu tun. Ok, das an sich kann durchaus auch einmal wertvoll sein: Nicht sofort hineinzuspringen in eine Situation, sondern rechtzeitig den Weg zu ändern. Normalerweise nehme ich das wahr und kann aber trotzdem auch weitergehen.

 

Gerade an diesem Tag war es jedoch heftiger als sonst. Auch konnte ich gut erkennen, dass erlernte Muster am Werk sein müssen. Etwas, das jetzt stark lähmend auf mich wirkte.

 

Es war eine Situation in meinem Beruf. Ich konnte deutlich fühlen und hören, wie dieser Anteil in mir agierte. Freundlicherweise lief alles in homöopathischen Dosen für mich ab, so dass ich gut folgen konnte, ohne von den Emotionen völlig überschwemmt zu sein (was mir sonst gut bekannt ist).

 

Die Situation, die es betraf, enthielt nichts, wo ich etwas hätte verlieren können. Es war nicht sonderlich schwierig. Eine Adresse lag genau auf meinem Rückweg. Es ging nur darum, aufgrund einer E-Mail, die ich vor einigen Tagen anfragend an jemanden versandt hatte, nun spontan persönlich vor Ort nachzufragen, ob Interesse an meinem Angebot besteht. Es gab dort Öffnungszeiten und es war offen.

 

"So viel Aufregung wegen dieser Kleinigkeit?" denkst du Dir vielleicht gerade. Klar, das dachte ich mir an dem Tag auch :-).

 

Eine Stimme in mir war sehr laut und sehr jammernd. Und die Gefühle wurden dazu schwer und lähmend. "Wieso willst Du da jetzt einfach hineinplatzen? Er hat bestimmt keine Zeit für Dich. Heute nicht, warte einfach noch ab. Schreib ihm einfach nochmal eine E-mail. Vermutlich hat er eh kein Interesse, sonst hätte er sich schon gemeldet. Das muss doch jetzt nicht sein".

 

Eine Emotionswelle von "Es erwartet Dich nur Ablehnung" war in mir spürbar. Innerhalb von Sekunden fühlte ich mich schlapper, müder und verzagter.

Der Widerstand und eine sanfte, liebevolle Einladung

Gleichzeitig war da allerdings auch meine innere „Sanfte-Fühlstimme“, die mir übermittelte: „Alles ist gut. Du kannst gerne auch weiterfahren. Aber schön wäre es doch, sich persönlich vor Ort zu zeigen? Was kann schon passieren? Probiere es doch einfach aus“.

 

Da war kein Druck, kein Drängen - einfach nur eine sanfte, liebevolle Einladung. 

  • Kleine Anmerkung zu meinem Begriff "innere Fühl-Stimme": Ich hatte schon so einige Krisen in meinem Leben- wo ich an einem bestimmten Punkt diese "sanfte, ruhige, innere Fühl-Stimme" wahrnehmen konnte. Ich fühle sie mehr, denn sie zu hören und es geht ein tiefes, ruhiges Wissen damit einher. Anfangs allerdings erst dann, wenn ich erschöpft und abgekämpft kurz vorm Aufgeben stand. Dieser Fühl-Stimme aus der Tiefe meines Herzens zu folgen, erwies sich vom ersten Moment an sehr stimmig und gut für mich. Ich hatte im Laufe der Zeit (der Krisen) mehr und mehr tiefes Vertrauen zu ihr entwickeln können. Mit der Zeit übte ich, damit in Verbindung zu bleiben, auch, wenn keine Krise am Horizont war. Achtsamkeit, Liebevolle Pausen und Stille Zeit mir mir selbst sind die Hilfsmittel dazu. Alle meine Blogbeiträge drehen sich im Grunde darum. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest: In diesem Blogbeitrag erzähle ich ausführlicher darüber.

Im Allgemeinen reagiere ich schon immer ziemlich allergisch, wenn jemand versucht, mich zu etwas zu zwingen - also möchte ich mich selbst auch nicht übergehen oder zwingen.

 

Ich saß also vor der Adresse im Auto und fühlte auf der einen Seite all diesen Widerstand.

  • Niemand erwartete von mir, dass ich das persönlich erledigte. Ich hätte auch einfach anrufen oder nochmal eine E-Mail schreiben können.
  • Niemand außer mir wusste, dass ich jetzt da im Auto saß und überlegte. Es war mir insofern völlig klar, dass die inneren Emotionen ziemlich heftig für diese „kleine Situation“ waren.

So prüfte ich für mich noch kurz durch, ob es bedeutet, ich würde mich "selbst zu etwas zwingen", wenn ich jetzt doch da hinein ging.

 

Auf der anderen Seite nahm ich diese sanfte, aber klar spürbare Einladung meiner Inuition wahr: In Erwägung zu ziehen, dass es noch andere Möglichkeiten geben könnte…..!

Die Entscheidung und die Erfahrung

Diese Situation- so lachhaft sie vielleicht jetzt wirkt- war eindeutig. Ich konnte diesmal den Ablauf gut erkennen und bemerken, dass ich allein die Entscheidung habe: Ich könnte es sein lassen und abwarten - oder einfach mal hingehen und nachfragen. Nichts Spektakuläres, absolut nicht. Die Emotionen indes waren kräftig. Zu kräftig für die Gesamtsituation. Also Grund genug, aufmerksam zu bleiben und achtsam mit mir zu sein.

 

Schließlich nahm ich mir noch einige stille Momente und atmete weich, während ich der lauten Stimme fühlend lauschte. Die kurze Kurzversion einer Liebevollen Pause machte, sozusagen :-)) Dann traf ich meine Entscheidung, der sanften Stimme, meinem Seelen-Herzen zu folgen: Zu vertrauen, da hin zu gehen und zu gucken, wie es läuft. Also, ein paarmal tief durchatmen und los...

 

Und was erfuhr ich? Ich wurde sehr freundlich empfangen, es entwickelte sich ein lockeres, angenehmes Gespräch und ich erkannte, dass der Empfänger interessiert und durchaus dankbar für den Impuls war! 

 

Das Gespräch verlief also völlig anders, als die "laute innere Stimme" befürchtet und erwartet und mir eingeflüstert hatte!

Folge ich der Angst oder der Liebe in mir?

Ich habe in den letzten 20 Jahren viele Übungsfelder gehabt, wo ich lernte, bestimmte innere Gefühlsabläufe in "Slow Motion" für mich zu betrachten. Das klappt auch heute noch viel besser, wenn ich selbst einigermaßen entspannt oder (wie an diesem Tag) in keiner mich emotional völlig überschwemmenden Situation bin. 

 

An dem Tag war ich also ganz bewusst, beobachtend -durch die ängstlichen, aufgeregten Stimmen hindurch- meiner sanften, ruhigen inneren (Fühl-)Stimme gefolgt. Sie hatte mir geraten: "Was wäre, wenn Du es einfach ausprobierst? Vielleicht gibt es noch andere Wahrheiten? Ich lade Dich ein, es heute auszuprobieren"

 

Ein "laut, jammernd, lähmend" im Unterschied zu "sanft, ermutigend, förderlich": Heftigere Emotionen im Unterschied zu klarem Gefühl.  

 

Das ist für mich immer wieder die Erkenntnis und das Zünglein an der Waage: Das klare Gefühl entspricht meinem Seelen-Herz oder der wahren Intuition - und etwas"Lautes, Jammerndes, Strenges" sind Emotionen von Anteilen, erlernten Mustern und meistens ursächlich im mentalen Bereich. Das ist völlig ok und darf auch so sein.

 

Alle haben ihre Berechtigung in mir - doch es ist an mir, meinen Platz einzunehmen und entscheiden, wem ich folgen möchte. 

  

Das reduziert sich dann schnell auf eine kurze Formel: Folge ich der Angst oder der Liebe in mir?

In meiner Mitte scheint die Sonne meiner Seele

Auch dieses kleine Erlebnis entpuppte sich als eine "Blaupause" für mich. Seither ist und war es übertragbar auf kleine oder große Situationen, die noch folgten - und mit Sicherheit auch noch folgen werden :-).

 

"Die Dinge sind nicht immer, was sie zu sein scheinen" und "alles hat viele Facetten". Ich erlebe, wie der Filmtrailer abläuft, und mir erst mal all die Horrorszenen gezeigt werden - und wenn ich meinem Herzen folge - läuft der Film anders ab. Oder die schrecklichen Ausschnitte relativieren sich im Gesamtzusammenhang. Das kann sich mal über Monate entwickeln oder innerhalb Sekunden.

 

Es lässt sich mitten im Alltag erfahren - sogar in scheinbar banalen Alltagssituationen. Mikrokosmos wie Makrokosmos. Innen wie außen :-).

 

Meine Wahl: Ich bleibe achtsam und entscheide mich immer wieder neu, im Zweifel dem liebenden Sonnenstrahl meines Seelen-Herzens  - meiner wahren Intuition - zu folgen. 

 

Immer wieder Vertrauen wählen, einatmen, annehmen - und wenn die See gerade stürmisch ist, versuche ich, mich so schnell wie möglich darauf zu besinnen: In meiner Mitte scheint die Sonne meiner Seele - Immer.

Herzlich♥,

Elke Ulrike