Weil es Zeit ist: Wertvolle Zeit, mich auf mich selbst einzuschwingen

Ist es nicht wunderbar, dass die Tage ganz deutlich wieder länger werden und die Frühjahrsblüher ihre Blüten und Blätter zu voller Pracht entfalten? Gerade in der Anfangsphase der Vor-Frühlings-Zeit fielen mir kleine Pflänzchen und kleine Bewegungen verstärkt auf - weil ja außen herum alles noch nicht so blühend und grünend war.

 

Wenn alles hingegen in voller Blüte steht und es um uns herum sprießt und wächst, übersehe ich schon wieder vieles - was ich dann direkt schade finde.  Doch genau das, dieses "Übersehen" ist wiederum auch ganz natürlich, es hat mit unserem Fokussier-Filter zu tun.

 

In unserem vollen Lebensalltag ist es oft so: Je mehr Eindrücke und Anforderungen auf uns einprasseln, desto mehr fokussieren wir uns auf bestimmte Dinge, damit wir nicht völlig überflutet werden. Das ist einerseits eine gute Schutzfunktion. Dieser Schutz kann aber auch die Verbindung "nach Innen" lahmlegen, finde ich. Und diese Verbindung immer wieder zu spüren, ist für mich ein sehr wichtiges Element, mich lebendig und geborgen zu fühlen.

 

Ausblenden - wie mit dem Teleobjektiv

Der Schutz wirkt, indem manche Dinge ausgeblendet werden. Wie beim Blick durch das Teleobjektiv einer Kamera: Der Blick wird auf einen bestimmten Ausschnitt gelenkt – der Rest ist nicht mehr sichtbar. Es gibt Menschen, die können sich im übertragenen Sinne vorzüglich wegblenden. Mir hat jemand erzählt, bei ihm gingen „innere Rollläden“ herab und dann werden Umgebungsgeräusche einfach nicht mehr gehört. Es gibt Momente, da bewundere ich das sehr! Bei mir klappt das nämlich nicht so einfach.

Da ich - besonders auf emotionaler Ebene- sehr stark empfänglich für unterschwellige Eindrücke bin, kann ich mich zusätzlich bei mentalen Dingen dann nicht mehr so konzentrieren, wenn um mich herum noch alle möglichen Geräusche - oder gar immer wieder Unterbrechungen stattfinden. Im Büro kostete mich das schon oft richtig Kraft, fokussiert zu bleiben. Die Sinne müssen dann springen oder sich sogar zusammenziehen, wie bei einer Ziehharmonika - jedenfalls kommt es mir so vor. Ich habe mittlerweile gut gelernt, damit umzugehen – muss aber immer wieder nachjustieren oder für Ausgleich sorgen. Oder gezielt für Ruhe – notfalls mit Ohrstöpseln. 

Eintauchen, "innerlich Tasten und Fühlen" und hochtauchen

Mir wurde irgendwann klarer, dass alles immer auch mit einer Art "innerem Tasten und Fühlen" einhergeht. Spricht mich dann jemand an, muss ich aus diesem Tasten abkoppeln und damit ist das Tasten unterbrochen.  Sehr deutlich wird das, wenn ich einen Roman lese. Ich tauche mit meinen Sinnen in die Geschichte ein, in ihre emotionalen Schichten und Zusammenhänge - so, wie jemand immer tiefer in warmes Wasser taucht. Je nachdem, wie intensiv ich die Geschichte empfinde, desto tiefer tauche ich und da bin ich dann doch durchaus innerlich wie weggeblendet.  Allerdings geht das stärker über die emotionalen Verbindungen und über Gefühlsebenen. Spricht mich jetzt jemand an, muss ich erst mal "hochtauchen". Das ist ein bisschen, wie wenn man gemütlich im warmen Wasser taucht und ganz viel entdeckt dort unten, dabei aber an einem Seil hängt, an dem jemand ziehen kann. Und immer, wenn Du gerade ein Stück tiefer in Deinen Tauchgang gesunken bist und es genießt und etwas Tolles entdeckst – ein besonders farbiger Fisch oder etwas Glänzendes, was Dich begeistert- zieht Dich jemand plötzlich hoch. 

Wenn das ein paarmal hintereinander stattfindet, kann es schon passieren, dass meine Grund-Höflichkeit ab der dritten Unterbrechung dann deutlich beginnt, abzunehmen :-). Im Alltag, wenn wir unseren vielfältigen Aufgaben nachgehen oder im Berufsleben unterwegs sind, laufen diese Dinge unbewusst und selbstständig ab. Alles blitzschnell. Das ist ja auch gut so- wir können nicht bei jedem Schritt für jede Bewegung alles hinterfragen und beobachten - da wären wir kaum mehr handlungsfähig.

 

Für mich war es sehr wertvoll, diese Zusammenhänge zu (er-)kennen (dank Unterstützung von vielen Menschen) - weil ich mich früher immer wunderte, weshalb ich total gereizt oder entnervt  oder mich überschwemmt von widersprüchlichen Stimmungen fühlte.  Oder aber auf der anderen Seite auch: Abgekoppelt und nur noch "wie ein Automat funktionierend".

Wertvoll: Zeit, mich auf mich selbst einzuschwingen

Es hat lange gedauert, dass ich begriffen habe: Bei zu vielen Eindrücken - brauche ich Auszeiten, um wieder Kontakt mir meiner - ja, wie soll ich das beschreiben? Mitte, sagen die einen. Mein Zentrum, die anderen. Meine "innere Fühlstimme" sage ich außerdem dazu, oder "mein sicherer Raum". Es ist einfach das Gefühl, mit mir selbst verbunden und geborgen in der Mitte zu sein. Worte können es nur unzureichend als Wegweiser beschreiben, aber ich bin mir sicher, wenn Du Dich angesprochen fühlst, dann weißt Du bereits, was ich meine.

 

Ich stelle mir gerne vor, alle Emotionen und Gefühle sind wie eine Gruppe vieler Menschen in einem Raum mit mir. Solange ich von einem zum anderen laufe und jedem intensiv zuhöre, wobei mir der eine oder andere schon mal ins Ohr brüllt, bin ich mehr bei ihnen und erlebe auch vieles intensiv so, wie sie das tun. Ich bin in dem Moment mehr bei Ihnen als bei mir selbst.

 

Sobald ich mich aber in diesem Raum auf meinen besonderen, extra Stuhl in der Mitte setze - kann ich beginnen, alle Emotionen und Gefühle in diesem Raum nur da sein zu lassen. Gleichzeitig sinke ich innerlich tiefer auf diesen Stuhl, auf diesen Platz und er wird grösser und weicher und ich kann mich sozusagen einkuscheln. Ich fühle den Halt darin und zusätzlich eine tiefere Verbundenheit mit mir selbst und meinem Herzen. Und genau das ist es, was ich zutiefst brauche.

 

Ich habe erkannt, dass auch das einen Teil einer allgemeinen Gereiztheit bei mir verursachen kann: Wenn ich lange nur überwiegend "an der Oberfläche" geblieben bin, während ich durch den Alltag surfte und scheinbar nur funktioniert habe. Sie ist dann der Gradmesser, dass mir etwas fehlt. Weil es Zeit ist: Wertvolle Zeit, mich wieder auf mich selbst einzuschwingen. Ich meine übrigens nicht, dass im Inneren nur "rosarote Emotionen" herumsegeln. Da kann schon alles dabei sein! Umso mehr tut es mir gut, auf diesem inneren Stuhl sitzen zu bleiben - bis wieder mehr Ruhe eingekehrt ist. An diesem Platz in der Mitte zu warten - zu atmen- bis sich alles wieder beruhigt hat. Wie in einer Schneekugel: Bis der ausgeschüttelte Schnee sich wieder abgesenkt hat. 

 

Über alles "Wahrnehmen, Tasten und Fühlen" bin ich in Verbindung mit verschiedenen Ebenen meiner selbst. Das vielfältige Fühlen mit allen Sinnen bewusst wahrnehmen zu können, mich darauf einlassen zu können, ist für mich sehr wertvoll und wichtig geworden. Nicht zuletzt, um aufzutanken.

Die Sinne wieder "auf Weitwinkel" gleiten lassen

Bei Spaziergängen in der Natur oder in meiner Liebevollen Pause genieße ich es, die Sinne wieder weiter werden zu lassen - den Fokus los zu lassen und einfach nur wahrzunehmen, was ich jetzt gerade wahrnehme. 

 

Das ist dann, wie wenn ich das Objektiv wieder „auf Weitwinkel“ stelle. Der „Fokussier-Muskel“ darf sich entspannen. Zieht etwas dann meinen Blick – oder inneren, fühlenden Blick - in der Natur - oder in meiner inneren Gefühlswelt- auf sich, geschieht es auf natürliche und anmutige Weise. Ich habe dann das Gefühl, wieder mehr und tiefere Berührung mit mir selbst zu haben. So, wie mein Herz natürlich pumpt - sich anspannt und entspannt - gleiten dann auch meine inneren und äußeren Sinneswahrnehmungen wieder natürlicher: Mal fokussiert - mal weit gestellt, aber frei und anmutig, ohne zu verkrampfen.

 

 

Um das Bild von dem Raum mit den vielen Menschen nochmal hervorzuholen: Der Raum wird dann weiter, der Abstand von mir zu all den Menschen (Emotionen) im inneren Raum wird größer - und ich fühle mich freier und doch präsent. Diese Berührung, dieses Gefühl von „Mit-mir-Innen-tiefer-verbunden-sein“ – das brauche ich, um mich zentriert und geborgen zu fühlen. Und wenn ich mich zentriert und geborgen fühle, hilft mir das wieder sehr beim „ Surfen durch die Lebens-Alltags-Wogen“.

 

Auf meiner Website gibt es übrigens verschiedene Ideen für Dich, wie Du Dir eine Liebevolle Pause erlauben kannst. Wenn ein Spaziergang in der Natur gerade nicht möglich ist, kannst Du auch meine Naturfotografien in der Galerie dazu wirken lassen.

 

Viel Freude beim liebevollen Forschen, Tasten und Fühlen!

  

Herzlich,

 

Elke Ulrike

PS:

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