Der Schatz meiner inneren, intuitiven Künstlerin

Als Kinder malen (basteln, gestalten) wir von Natur aus "intuitiv" und ich malte in meiner Kindheit viel und gerne. Intuitiv erfassen und gestalten ist Wesen und Art unseres Er-Lebens und Er-Lernens. Egal, was uns an Talenten mitgegeben wurde und ob es uns beim Heranwachsen weiter Freude macht, ist in jedem von uns bereits als Kind ein intuitiver Künstler vorhanden. Malen ist sicher nur ein Teil davon, aber weil es bei mir wichtiger Lebensanteil ist, spreche ich in diesem Blog vom Malen. Für Dich mag es eine völlig andere "Gestaltungs-Liebe" sein :-).

 

Wir alle haben also diesen intuitiven, kreativen Teil tief in uns in unserer "Grundausstattung" dabei. Technik, Handwerk, Regeln und Co. zur jeweiligen Kunst lern(t)en wir erst im Laufe der Entwicklungsjahre auf verschiedenen Wegen, ob nun autodidaktisch oder professionell.

 

Meine innere, intuitive Farb-Malkünstlerin war zwar nie völlig verschüttet, aber zeitweise ganz schön eingeengt und an die Leine gelegt. Ich bin sehr froh, dass ich mein freies, kreatives Kind wieder in mein Leben eingeladen habe.

 

Um genau zu sein: Regenbogen-Farben-Froh! 

 

Spaßfreie Programmierungen, die dazwischenfunken

Mittlerweile gibt es viele Ausmalbilder oder Ausmalbücher für Erwachsene. Das hilft vielen Menschen, ohne Anspruchsdenken aus der mentalen Ebene, sich den Farben und der sanften Bewegung hinzugeben und zu entspannen. Wenn wir nämlich auf einem weißen Blatt Papier einfach drauflos malen sollen, ja sogar dürfen, kommt nämlich gerne auch eine "spaßfreie Verstandesprogrammierung" dazwischen.

 

Das wäre in meiner persönlichen Erklärungswelt unter anderem die Sammlung der Vorstellungen von anderen, die uns im Laufe unserer Kindheit bewusst oder unbewusst geprägt haben und auch, welche Schlüsse wir dann daraus gezogen und abgespeichert haben.

  

Als Kind sahen wir in dem Bild, das wir gemalt haben, genau das, was wir damit ausdrücken wollten. Ich würde sagen, das ist intuitives Malen pur. Man könnte auch sagen "Fühl-Sehen-Malen".  Zu einem bestimmten Zeitpunkt wussten wir fühlend genau, welche Welt sich auf diesem und in diesem Bild befindet. Der Ausdruck von Innen nach Außen. Erst mit der Reaktion unserer Umwelt ("was ist denn das?") beginnt dann das Prägen und Formen. 

 

Ich habe hier keinerlei therapeutischen Kenntnisse, das ist einfach mal subjektiv von mir verfasst. Allerdings habe ich selbst eine Menge Erfahrungen, wie es sich anfühlt, wenn die "spaßfreien Verstandesprogrammierungen" hochkommen. Im Folgenden erzähle ich Dir ein bisschen darüber und ich rate mal, das kommt Dir auch irgendwie bekannt vor ;-). 

Intuitives Malen im Versickermodus

In der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, in den 70er und 80er Jahren, habe ich in der Schule verstärkter erfahren: "So und genau so wird gemalt. Das ist richtig und nein, das ist falsch, das sieht gut aus und das nicht". Sogar beim Stricken ging es strenger zu (das erzähle ich Dir in diesem Blogartikel). Der Verstand möchte ja auch gerne konkret wissen, „was das sein soll“, um darüber sprechen zu können. Weil es dann eingeordnet oder verglichen werden kann oder Bewertungen (Noten) gibt. In der Schule war ich meistens sehr gerne, weil es mir Spaß machte, neue Dinge zu lernen und die Noten waren demzufolge auch völlig ok. Und doch....

 

Den Kunstunterricht, in den zwei Jahren, wo ich regelmäßig Kunstunterricht hatte, habe ich geliebt. Was mein freies, intuitives Malen anging, das ging im Laufe meiner weiteren Schulzeit allerdings zielsicher mehr und mehr in den Versickerungsmodus. Das lag aber nicht an den Kunstlehrern, sondern  eher am Fehlen derselben, da ich auf eine Realschule kam, wo Kunst für den wirtschaftlichen Zweig zuerst nur noch Wahlfach (ich erinnere mich an Perspektivenzeichnung) und dann für mich in der Schule überhaupt nicht mehr vorhanden war. Wie es bei meinem Verbleib auf einer musischen Schule weiterhin gelaufen wäre, kann ich also nicht abschließend beurteilen. Und da ich bereits mit 16 Jahren in ein Vollzeit-Berufsleben einer Bank eintrat, verschwand intuitives Malen dann längere Zeit fast völlig von meinem Lebensbildschirm. Ich weiß noch ziemlich genau, wann es wieder aufgetaucht ist. Oder besser: Wie ich es überhaupt wieder bewusst wahrgenommen habe, das "intuitive Malen aus mir heraus"! Ich fand zwar so einige Möglichkeiten, nebenher mit Farben zu gestalten, aber "intuitives Malen" pausierte. (Falls Du Dich gerade frägst, wieso ich überhaupt auf die Realschule mit wirtschaftlichem Zweig ging, nun, da hatte ich persönlich damals nicht wirklich das Ruder in der Hand...).

Sehnsucht nach Aquarellkunst - oder doch nicht?

Etwa 1992 hatte ich eine Freundin, die wunderschöne Aquarelle malte. Sie malte schon seit Jahren und war eine richtige Zauberin auf dem Gebiet. Ich malte damals farbig auf Seide (die Farben waren trotzdem immer mit mir :-)), meist Tüchern oder Krawatten, und ließ meinen Ideen da freien Lauf. Es war zwar häufiger ein konkretes Comic-Motiv, das ich malte, aber immerhin auch oft Phantasiemuster. Jedenfalls wollte ich damals auch so gerne Aquarell malen, hatte jedoch nicht genug Antrieb, extra einen regelmäßigen Kurs zu besuchen. Ich ließ mir von ihr daher erst mal einiges zeigen und kaufte mir ein Anleitungsbuch, Aquarellfarben, Pinsel und passendes Papier. Und dann begann ich zu üben. Wie man so ein Aquarellbild aufbaut. Ja, das habe ich einige Zeit tatsächlich geübt. Ich musste ja umdenken, also die ganz hellen Flächen zuerst freilassen um das Bild von hell nach dunkel in seinen Schattierungen aufbauen. Etwas  wieder übermalen geht da ja nicht so einfach, wenn überhaupt. Zumindest in meinem Anleitungsbuch war beschrieben, dass ich vorher genau wissen müsste, welches Motiv ich male, damit ich es Schicht für Schicht anlegen kann. Also ich habe weiter geübt. Und geübt. Und auch das eine oder andere Foto in Aquarelltechnik (so ich sie damals hinbekam) gemalt. Ein paar Übungsstücke aus der Zeit habe ich noch, hier sind sie (Vergrößern per Klick):

Die Liebe zu den Regenbogen-Farben

Eines Tages wurde mir jedoch klar: Das will ich so gar nicht. Das fühlt sich für mich zu aufwändig, zu umständlich an und ich habe keine wirkliche Freude daran. Natürlich ist die Kunst des Aquarellierens wunderbar! Und hätte ich wirklich die passende Leidenschaft dafür in mir gehabt, hätte ich weitergemacht, und die Techniken Schritt für Schritt gelernt - aber: Da war nicht genug da. Nur die Liebe zu den (Regenbogen-)Farben. Und so wühlte ich nach meinem alten Schul-Wasserfarben-Kasten, nahm mir ein großes weißes Blatt Papier und schickte mich an, darauf los zu malen! Juhu! Endlich!

 

Nun ja - wollte ich jedenfalls...... Meine Leidenschaft, der innere Drang, einfach frei darauf los zu malen, war zunächst sowas von DA! Doch plötzlich schien er erst mal ....aufzuprallen!? In dem Moment stiegen nämlich plötzlich eine Menge innere Hindernisse zwischen meiner inneren Sehnsucht und dem Blatt Papier auf. Es kamen Stimmen in mir hoch, die in etwa klangen: „Was willst Du denn jetzt malen? Solltest Du nicht wissen, was Du zeichnen möchtest?  Was soll das denn dann werden? Und mit welcher Farbe fängst Du an? Und wenn es nichts wird, wirfst Du es dann weg? Schade um die Farben! Und....Und....Und....?“ - Ich habe also tatsächlich richtig Überwindung gebraucht, um einfach mal so anzufangen! Da kamen Unmengen an bremsenden, kontrollierenden Stimmen in mir hoch.

 

Ich sprach mir also selbst gut zu: „Was soll schon passieren?“, beruhigte mich selbst mit: „Es braucht ja nicht schön zu werden“, wurde trotzig:  „ich kann malen was ich will“, „und wenn ich einfach kleckse, ist es auch ok“ ...-bevor ich endlich begann. Das ist das Bild, das ich damals gemalt habe:

Entfaltung meiner inneren Regenbogenfarben

Es entstand bereits während einer Zeit der großen Umbrüche in meiner Lebenssituation ca. 1993/1994 und vielleicht blieb es mir auch deshalb so stark in Erinnerung, so dass ich es aufhob. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich selbst überrascht war, dass ich viel schwarz gemalt hatte - und doch: Im Innen dieser überaus farbige Kern!?

 

Einige Zeit danach kollabierte meine Lebenssituation erst mal noch ein gutes Stück weiter und gab überhaupt keine Zeit zum Malen mehr her, aber viel später, als sich alles wieder beruhigt und neu sortiert hatte, kaufte ich mir schließlich Acrylfarben. Auch dann hatte ich anfangs immer wieder diese Diskussionen in mir, wenn ich zu malen begann. Diskussionen gibt es heute immer noch, aber leiser und ich vertraue jetzt viel mehr meinen intuitiven Impulsen. Wenn ich begann, die weiße Leinwand mit einer Farbe zu grundieren, auf die ich jetzt gerade Lust hatte,  konnte ich dann allerdings auch schnell ein unglaublich freies Gefühl aus meinem Inneren fühlen. Auch das ist heute noch so. 

 

Dieser farbige Kern meines damaligen Bildes ergab gefühlt auch irgendwann stärkeren Sinn für mich: Da wollte sich etwas aus mir heraus entfalten und das beinhaltete viele Farben: Regenbogenfarben. 

 

Von da an zeichnete ich eine Zeit lang auch mal das eine oder andere gegenständlich, so beispielsweise von dem Wellensittich aus meiner Jugend, von dem ich noch Fotos hatte:

Meine SeelenFreudeBilder: Regenbogen-Farben-Froh

Mit der Zeit wechselte ich jedoch immer mehr in mein intuitives Malen und was daraus entsteht, nenne ich: Meine SeelenFreudeBilder

Das Gestalten mit Blütenfotos gehört für mich übrigens ebenso zu meinen SeelenFreudeBildern und auch das Gestalten mit Worten, wie hier im Blog. Für mich gehört alles zum Ausdruck meiner ganz persönlichen intuitiven Kunst.

 

Ich zeichne nicht konkret etwas ab oder versuche auch nicht (oder nur selten), etwas bestimmtes mit den Acrylfarben erkennbar abzubilden, sei es nun eine bestimmte Landschaft, ein Gegenstand oder Menschen. Mit meiner intuitiven Kunst kann es zwar sein, dass ich durchaus einem innerlich in mir vorhandenen Bild folge. Wenn es fertig ist, kann es aber auf der Leinwand völlig anders aussehen, weil es sich während des Malvorgangs ganz anders entwickelt hat. Für mich ist es sehr wichtig, von Anfang an nicht an diesem inneren Bild festzuhängen, sondern meinen Impulsen zu folgen. Oder immer wieder nur mit dem weiterzumachen, was jetzt gerade möglich erscheint.

 

Mittlerweile habe ich meine eigene Theorie dazu: Mein Verstand übersetzt das, was an inneren Impulsen kommt, eben in Bilder, soweit, wie er es in Bilder umsetzen kann. Oder vermischt es mit Bildern, die er schon gespeichert hat. Da er aber nicht auf der Fühl-Frequenz unterwegs ist, zeigt er eben so gut wie es ihm möglich ist, wie er es interpretiert.

 

Als Kind habe ich oft im Radio „Zwischenfrequenzen“ gesucht, wo man durch Drehen am Frequenzknopf Pfeiffen und Piepsen hörte und habe versucht, „Morsezeichen“ dort herauszuhören. Ich habe dann viele Punkte und Striche mitgeschrieben und nachher versucht, sie mit einer Morsezeichen-Tabelle zu übersetzen. Weil ich der Morse-Zeichen-Sprache nicht mächtig war, habe ich auch nichts übersetzen können. Ich fürchte, das wäre genau so gelaufen, selbst wenn es dort echte Morsezeichen gegeben hätte (was ich aber heute noch sehr gerne glaube!) :-). 

 

Und so erkläre ich es mir mit meinem Verstand auch: Er versucht das, was er auf der Fühlfrequenz erkennt (was für ihn nur rudimentär ist) in ein Bild umzusetzen, das durchaus dem ähneln kann, was wir mal irgendwo gesehen haben. Wenn ich nun versuchen würde, exakt dieses Bild zu malen - schaffe ich mir selbst nur Frust. Nein, für mich ist wichtiger: Ich nehme das „Bild“ erst mal an und während ich male und vielleicht versuche „so ähnlich“ zu malen - ist es wichtiger, dass ich dem Gefühl, das auf meinem inneren Fühl-Kanal geliefert wurde, meine Wahrnehmung und Beachtung schenke. Manchmal male ich nur einen Teil und über viele Wochen folgen weitere Teile - solange, bis ich das Gefühl habe, das Bild ist jetzt vollendet. 

 

Das ist auch wieder sehr wichtig für mich: „Wenn ich das Gefühl habe....“.

 

Nicht, was irgendjemand, ob nun echte Menschen oder innere, alte Stimmen oder mein Verstand, zu mir sagt, wonach es fertig oder nicht fertig wäre. Weil zunächst ist es nur das: Der Ausdruck meiner Gefühle, meiner Innenwelt, meiner Seele. Und irgendwann teile ich sie mit jemand anderem - der sich berührt fühlt oder auch nicht. Wie bei einer Geschichte, die erzählt wird, ein Foto, das geteilt wird, ein Film der gezeigt wird, eine Musik, die gespielt wird.

  

In der Einleitung habe ich geschrieben: Als Kinder sind wir von Natur aus erst einmal intuitive (Mal-)Künstler. Ich bin sehr froh, dass ich mein freies, kreatives Kind wieder in mein Leben eingeladen habe und ihm mehr Raum gegeben habe. Es hütet schon immer einen Schatz für mich: Die Regenbogenfarben.

 

Meine SeelenFreudeBilder wären ohne diese innere, intuitive Künstlerin nicht das, was sie sind: Regenbogen-Farben-Froh. 

 

Welchen Schatz hütet Dein innere(r) intuitive(r) Künstler(in) für Dich?

 

Herzlich♥,

Elke Ulrike